Hinhören

Es ist eine meiner Lieblingsgeschichten, die Offenbarung an Samuel (1Sam 3, 1-18).

„Da merkte Eli, dass der HERR den Knaben gerufen hatte.“ (1Sam 3,8).

Als Theologe gefällt mir der Satz besonders. Warum? Weil der vermeintliche „Profi“ Eli erst beim dritten Mal versteht, was vor sich geht: Gott offenbart sich dem jungen Samuel. Das heisst für mich, immer wieder offen zu sein für dem Anruf Gottes, bei mir selbst und bei anderen Menschen. Gott spricht auf seine Weise und nicht auf der, die wir zu kennen meinen. Es heisst auch junge Menschen ernst zu nehmen in ihrer Rede von Gott. Hinhören, was sie zu sagen haben.

Und als zweites schwingen für mich in dieser Berufungsgeschichte die Frage mit: Wie geschieht Berufung heute?

Die Distanzen schwinden

4 Wochen auf dem Jakobsweg und eine weitere Erkenntnis: Distanzen spielen keine Rolle mehr. Habe ich am Beginn noch auf jeden Kilometer geschielt, der zu laufen war, nehme ich nun den Weg in Angriff, ohne mir darüber Gedanken zu machen. Mittlerweile weiss ich, dass die Kilometer keine Grenze mehr darstellen. Die geplanten Distanzen sind machbar, ich komme an, Verpflegungsmöglichkeiten sind vorhanden, also gelassen werden bzw. bleiben.

Sich nicht wiederfinden

Die permante Auseinandersetzung mit Gott, das Übertreten seiner Gebote, das Missachten seiner Vorschriften, das Murren, das Abwenden von ihm, all das zieht sich durch die ersten Bücher der Bibel. Und trotzdem Gott wendet sich seinem Volk immer wieder zu, nachdem dieses umkehrt. Das ist ein positiver Gedanke.

Wo ich mich aber nicht wiederfinde in den ersten Büchern, ist in dem Zusammenhang, dass jede Tat eine Konsequenz hat, dass Gott straft, wer seine Gebote verletzt. Ganz besonders auffällig im Buch der Richter: „Die Israeliten taten, was dem Herrn missfiel.“ (Ri 2,11; 3,7; 3,12) Jedesmal enbrennt der „Zorn des Herrn“ und Israel gerät unter fremde Herrschaft. Das Ganze ist in der Erzählung formelhaft gestaltet. So erklären es die Bibelwissenschaftler. Es ist vielleicht auch der Zusammenhang von militärischem Erfolg und Religion der mich stört, wenn ich auf die aktuellen Konflikte schaue. Dieses Denken scheint nicht aus der Welt zu schaffen zu sein.

Kindheitserinnerungen

Drei Wochen unterwegs. Seit einigen Tagen kommen Bilder aus der Kindheit vor allem Fernsehbild. Bilder von Fersehshows (nein, nicht „Wetten dass…?“), Bilder des RAF-Terrors, Bilder vom Putschversuch in Spanien, von der Fussball-WM 1978….

Geht die Reise weiter?

Unbestechlich

„Er lässt kein Ansehen gelten und nimmt keine Bestechung an.“ (Dtn 10,16)

Schlechte Nachrichten für die, die meinen mit Geld alles kaufen zu können, und meine grosse Hoffnung, dass allen Gerechtigkeit zuteil wird.

Gott suchen und finden

„Und von dort aus werdet ihr den Herrn, deinen Gott, suchen, und du wirst ihn finden, wenn du von ganzem Herzen und von ganzer Seele nach ihm fragst. Wenn du in Not bist und dich all dies trifft in ferner Zukunft, dann wirst du zurückkehren zum Herrn, deinem Gott, und auf seine Stimme hören, denn der Herr, dein Gott, ist ein barmherziger Gott: Er wird dich nicht verlassen und nicht verderben, und er wird den Bund mit deinen Vorfahren nicht vergessen, den er ihnen geschworen hat.“ (Dtn 4,29-31)

Dem Gott Suchenden ist Erfolg verheissen.

Unterwegs sagten zwei Pilger, dass der Camino del Norte zwar der landschaftlich schönere Weg sei, man aber den Spirit des Jakobsweges auf dem Camino Frances erlebt. Ich habe mich gefragt, was diesen Spirit ausmacht. Sind es die kulturhistorischen Orte? Sind es die zahlreicheren mitpilgernden Menschen? Das entscheidet am Ende jeder selbst. Wenn es um die Frage, geht wo Gott zu finden, ist es überall zu finden. Ich suche ihn eher in der Weite der Landschaft.

17 Tage auf dem Jakobsweg

Vorgestern war ein Pausentag. Den nutzt man u.a., um einen Waschsalon aufzusuchen und Quartiere und Routen zu planen. Gestern erreichte ich die spanische Grenze und damit den Anfang des Camino del Norte. Noch mal ein Anfang.

Auf dem Weg beschäftigen Fragen, die sonst selbstverständlich geklärt sind. Wo kann ich essen? Wo kann ich schlafen?Inzwischen stellt sich ein Tagesrhythmus ein: Aufstehen, Frühstück, Laufen, Quartier beziehen, Essen, Schlafen. Wo führt das hin?

Zurechtweisen

„In deinem Herzen soll es keinen Platz für Hass geben: Hasse deinen Bruder und deine Schwester nicht! Stattdessen sollst du mit deinem Nächsten reden und ihn auf sein Verhalten ansprechen. So wirst du dich seinetwegen nicht mit Sünde belasten. Du sollst dich nicht rächen und deinen Brüdern und Schwestern nichts nachtragen. Stattdessen sollst du deinen Mitmenschen lieben wie dich selbst. Ich bin der Herr.“ ( Lev 19,17-18)

Dieser Textabschnitt hat mich lange beschäftigt. Nicht wegen des Gebot der Nächstenliebe, das hier schon auftaucht und von dem ich immer finde, dass der zweite Teil „wie dich selbst“ ebenso wichtig ist wie der erste, sondern wegen der Passage, den Nächsten auf sein (Fehl-)Verhalten anzusprechen. Wenn man den theologischen Erläuterungen folgt, dann geht kann ein Gerechter den Nächsten zurechtweisen, also jemand der nach alttestamentlichen Verständnis, die Tora befolgt. Doch weiss die Bibel an anderen Stellen gut, dass das nicht immer Erfolg hat. Steht es mir also zu, jemanden zurechtzuweisen?

Heilig sein!?

„Führt ein heiliges Leben und seid heilig!“ (Leviticus 20,7)

Auch wenn wir schon Geheiligte sind: Wie führe ich als Christ ein heiliges Leben? Für das Alte Testament lebte heilig, wer die Gebote und Vorschriften befolgte.

Wie lebe ich als Christ? Wodurch zeichnet sich christliches Leben aus?

Gesegnet sein

Der Herr segne dich und behüte dich. Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über dich und sei dir gnädig. Der Herr erhebe sein Angesicht zu dir und gebe dir Frieden. (Num 6,24-26)

Für mich in seiner Einfachheit der noch immer schönste Segen. Nach diesem Zuspruch fühle ich mich immer gesegnet und innerlich ruhig.

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