Nach über 2300 km in acht Jahren ankommen: Was für ein Gefühl! Man biegt auf den Platz ein, auf dem viele Menschen singen, jubeln, weinen, still da sitzen, etwas genüsslich essen – all das tun, was sie sich vielleicht vorgestellt haben zu tun oder auch nicht. Mir ist für eine Bruchteil ein Schauer durch den Körper gelaufen und der Gedanke: Jetzt bist du da! Und dann sitze ich da, leicht euphorisiert und fühle mich mit allen auf dem Platz verbunden.
Abschied vom Camino del Norte
Heute konnte ich noch einmal die Einsamkeit des Camino del Norte geniessen. Bei Kilometer 26 traf ich auf den Camino Frances und war von der Pilgerkarawane überrascht.
Noch 100 km
Es ist nur eine weitere Zahl, aber doch eine Grenze, die man da überschreitet. Vor 2 Monaten genau hat der Camino del Norte in Irun begonnen. Da waren es noch über 800 km bis Santiago.
Auch wenn die Restkilometerzahl nun zweistellig ist, jede einzelne Etappe bis zum Ziel will noch gelaufen werden. Nichts geht schneller.
Gott suchen
1 Chronik 16
[10] Rühmt euch seines heiligen Namens! / Alle, die den HERRN suchen, / sollen sich von Herzen freuen.
Obwohl es Oktober ist, sind noch viele Menschen auf dem Camino del Norte. Alles Gottsucher? Ich habe sie nicht gefragt, aber es ist erstaunlich, welche Anziehungskraft der Weg hat. Gestern sass sich mit Menschen aus Australien, Neuseeland, USA, UK, Italien und Frankreich am Tisch. Einige von ihnen gingen zum zweiten Mal auf den Camino. Faszinierend, wie dieser Weg Menschen zusammenbringt.
Letzte Male
Eine lange Reise neigt sich dem Ende zu. Es beginnen die letzten Male: die letzte 30km-Etappe, der letzte Tag am Meer, die letzten 200km …
In 9 Tagen erreiche ich Santiago, ein Weg der 2015 begonnen hat. Es ist irgendwie noch nicht real.
Euphorisch
Heute habe ich den letzten Wegabschnitt in Angriff genommen. Obeohl das das Ende einer langen Reise einläutet, bin ich euphorisch aufgebrochen. Alles kam mir leicht vor. Was ist da passiert?
Die Distanzen schwinden
4 Wochen auf dem Jakobsweg und eine weitere Erkenntnis: Distanzen spielen keine Rolle mehr. Habe ich am Beginn noch auf jeden Kilometer geschielt, der zu laufen war, nehme ich nun den Weg in Angriff, ohne mir darüber Gedanken zu machen. Mittlerweile weiss ich, dass die Kilometer keine Grenze mehr darstellen. Die geplanten Distanzen sind machbar, ich komme an, Verpflegungsmöglichkeiten sind vorhanden, also gelassen werden bzw. bleiben.
Kindheitserinnerungen
Drei Wochen unterwegs. Seit einigen Tagen kommen Bilder aus der Kindheit vor allem Fernsehbild. Bilder von Fersehshows (nein, nicht „Wetten dass…?“), Bilder des RAF-Terrors, Bilder vom Putschversuch in Spanien, von der Fussball-WM 1978….
Geht die Reise weiter?
Gott suchen und finden
„Und von dort aus werdet ihr den Herrn, deinen Gott, suchen, und du wirst ihn finden, wenn du von ganzem Herzen und von ganzer Seele nach ihm fragst. Wenn du in Not bist und dich all dies trifft in ferner Zukunft, dann wirst du zurückkehren zum Herrn, deinem Gott, und auf seine Stimme hören, denn der Herr, dein Gott, ist ein barmherziger Gott: Er wird dich nicht verlassen und nicht verderben, und er wird den Bund mit deinen Vorfahren nicht vergessen, den er ihnen geschworen hat.“ (Dtn 4,29-31)
Dem Gott Suchenden ist Erfolg verheissen.
Unterwegs sagten zwei Pilger, dass der Camino del Norte zwar der landschaftlich schönere Weg sei, man aber den Spirit des Jakobsweges auf dem Camino Frances erlebt. Ich habe mich gefragt, was diesen Spirit ausmacht. Sind es die kulturhistorischen Orte? Sind es die zahlreicheren mitpilgernden Menschen? Das entscheidet am Ende jeder selbst. Wenn es um die Frage, geht wo Gott zu finden, ist es überall zu finden. Ich suche ihn eher in der Weite der Landschaft.

17 Tage auf dem Jakobsweg
Vorgestern war ein Pausentag. Den nutzt man u.a., um einen Waschsalon aufzusuchen und Quartiere und Routen zu planen. Gestern erreichte ich die spanische Grenze und damit den Anfang des Camino del Norte. Noch mal ein Anfang.
Auf dem Weg beschäftigen Fragen, die sonst selbstverständlich geklärt sind. Wo kann ich essen? Wo kann ich schlafen?Inzwischen stellt sich ein Tagesrhythmus ein: Aufstehen, Frühstück, Laufen, Quartier beziehen, Essen, Schlafen. Wo führt das hin?
