Was ist Spiritualität?

„Spiritualität ist die fortwährende Umformung eines Menschen in leidenschaftlicher und engagierter Beziehung zur Welt, zum Menschen und zum Unverfügbaren.“

Thomas Dienberg, Spiritualität – ein Definitionsversuch. Thomas Dienberg, Gregor Fasel und Michael Fischer [Hrsg.] . Management und Spiritualität. Münster 2007, S. 35.

Spiritualität in einem Satz zu definieren, ist ein Wagnis. Trotzdem stellt der „Definitionsversuch“ von Th. Dienberg eine gelungene Arbeitsdefinition dar. Sie ist vielleicht verbesserungswürdig, aber für einen Dialog anschlussfähig. Sie macht deutlich, dass Spiritualität keine „Wochenend-Disziplin“ ist, die am Montag wieder ad acta gelegt wird. Spititualität will gelebt und nicht erlebt werden.

Spiritualität und Veränderungsprozesse

Veränderungsprozesse in Organisationen haben u.a. zum Ziel, eine lernende Organisation zu entwickeln oder anders gesagt eine Unternehmenskultur zu etablieren, die Wandel grundsätzlich ermöglicht. Peter Senge führt in seinem Werk zur lernenden Organisation „Die fünfte Disziplin“ den Begriff der „metanoia“, der Umkehr ein.

Er interpretiert den Begriff „Metanoia“ im Zusammenhang seines Konzeptes der Lernenden Organisation als ein Lernen, das ebenfalls ein „fundamentales Umdenken und tiefgreifende Sinnesänderung“ erfordert und über das Aufnehmen von blossen Informationen hinausgeht.

  • Diese Art des Lernens umfasst für Senge:
    • neue Fähigkeiten zu erwerben
    • die Welt und unsere Beziehung zu ihr mit anderen Augen zu sehen
    • kreative Kraft zu entfalten und
    • am lebendigen Schöpfungsprozess teilzunehmen.

Veränderungsbereitschaft gehört zum Kern christlicher Spiritualität. Sie ist im Ruf Jesu zur Umkehr begründet.

Der Theologe Bern Lutz hat dies in seinem Buch „Umkehr als Prozess ständigen Neu-Werdens. Praktisch-theologische Überlegungen zu Möglichkeiten und Grenzen christlich motivierter Erneuerung“ bereits 1989 herausgearbeitet.

Zu diesem Verständnis gelangt Lutz aufgrund der biblischen Analyse, und bestimmt „Umkehr als ständiges Neu-Werden aus Glauben“. Für ihn ist der Christ aufgerufen, sich immer wieder zu bemühen dem zu entsprechen, was er durch die Taufe schon ist: eine neue Schöpfung. „Damit ist ein lebenslanger Umkehrprozess gekennzeichnet“.

Spiritualität und Innovation

„Dadurch unterliegt [auch] die Gemeinschaft der Gläubigen einem fortwährenden Umkehrprozess.“ Dies ist ein permanentes und innovatives Geschehen, ein „ständiges Neu-Werden aus Glauben“, das begründet ist in der zutiefst jesuanischen Botschaft vom Reich Gottes. „Ständiges Neu-Werden ist demnach ein inhärentes Moment christlichen Glaubens. Sie ist Ausdruck seiner innovativen Kraft.“

Wer dies z.B. im Veränderungsprozess von Kirchgemeinden zu wenig berücksichtigt, wird dem, was Kirche auch in der spirituellen Dimension umfasst, nicht gerecht. Denn die grössten Veränderungsprozesse innerhalb der Kirchen waren aus der Spiritualität Einzelner oder ganzer Gruppen motiviert und keine Organisationsentwicklungen „von oben“.

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