Reguliertes Leben

Nach dem Auszug aus Ägypten werden in den biblischen Büchern Exodus, Leviticus und Numeri zahlreiche Vorschriften überliefert, nicht nur die Zehn Gebote. Schnell kommen die Gedanken, wie mühsam das zu lesen ist, aber auch wie mühsam es ist, diese Vorschriften alle zu beachten und allzu schnell wähne ich mich in völliger Freiheit. Aber das ist bei ein wenig Nachdenken, eine völlig irrige Annahme. Mein Leben ist reguliert, von vielen, ständig, jeden Tag. Vieles davon ist mir nicht bewusst. Ganz sicher sind die Vorschriften, die tagtäglich auf mich einwirken, genauso mühsam zu lesen. Und beim Lesen würde mir der gleiche Gedanken kommen, wie schwierig es wäre sie zu beachten. In welcher Gesellschaft und Gemeinschaft bin ich aufgewachsen und was macht mich tatsächlich frei?

Eine Woche auf dem Jakobsweg

Was macht der Weg mit einem? Nach drei Tage fällt das Anlaufen nicht mehr schwer, nach fünf Tagen läuft es sich fast von allein.

Was man lernen kann? Gelassenheit, Probleme zu lösen, wenn sie wirklich da sind. Mit den heutigen Medien ist man allzu schnell versucht, Probleme zu finden, die noch nicht da sind. Das geht mir immer noch so: Da schaue ich in die Wetter-App und sehe Hitzetage. Schon beginne ich nach Alternativen zu suchen und am Ende ist die Lösung einfach: früher aufstehen und vor Sonnenaufgang aufbrechen. Oder ich sehe in Google-Maps keine Einkaufsmöglichkeiten und doch existieren sie. Es gäbe noch weitere Beispiele. Der Weg lehrt mich jeden Tag aufs Neue, gelassener zu werden und die Dinge anzunehmen, wie sie sind.

Bequem hier!?

Exodus 16
[3] Die Israeliten sagten zu ihnen: Wären wir doch im Land Ägypten durch die Hand des HERRN gestorben, als wir an den Fleischtöpfen saßen und Brot genug zu essen hatten. Ihr habt uns nur deshalb in diese Wüste geführt, um alle, die hier versammelt sind, an Hunger sterben zu lassen.

Die Israeliten murren gegen Mose und Aaron. Sie sehnen sich nach den Fleischtöpfen Ägyptens zurück. Die Szene ist sprichwörtlich geworden, und dennoch stellt sich die Frage, ob und wenn ja wie lange eine Durststrecke persönlich sein darf, um in Neuland aufzubrechen. Wann muss man sich auch eingestehen gescheitert zu sein?

Ich bin da

Exodus 3
[14] Da antwortete Gott dem Mose: Ich bin, der ich bin.

Gott offenbart Mose seinen Namen. Wenn es die 10 wichtigsten Bibelstellen gäbe, gehörte diese für mich dazu. Gott ist einer, der da ist, nicht entrückt irgendwo in einem Himmel. Ein schönes Gefühl, dass immer einer da ist. Als Kind habe ich es auch immer schön gefunden, dass jemand zu Hause war, wenn ich kam.

Geschickt

Josef offenbart sich seinen Brüder, als diese in der Hungersnot nach Ägypten ziehen, um Getreide zu kaufen (Gen 45). Josef verzeiht seinen Brüdern, ihn damals verkauft zu haben (Gen 37,28). Er interpretiert sein Schicksal als Tat Gottes, der ihn so nach Ägypten geschickt hat.
Wie sehe ich mein Leben? Und wohin schickt Gott mich?

Glückskind?

Genesis 39
[23] Was er auch unternahm, der HERR ließ es ihm gelingen.

Andere würden wohl von einem Glückskind sprechen, die Bibel führt es auf Gottes Beistand zurück. Was ist mit denen, den nicht alles gelingt?

Gibt es kein Zurück?

Abraham verweigert seinem Knecht, seinen Sohn (Gen 24) in die Heimat zurück zu bringen. Gibt es für einen, der ausgewandert ist, und seine Kinder kein Zurück mehr?

Abraham jedenfalls glaubt, dass Gott ihm den Weg gewiesen hat. Für ihn zumindest ist eine Rückkehr undenkbar. Wohin schickt Gott mich?

Bis zum Äussersten gehen?

Abraham ist bereit, seinen Sohn zu opfern (Gen 22). Abgesehen davon, dass es für mich ein eigenartiger Gott ist, wenn man es so liest, das Gott Abraham auf die Probe stellt, bleibt die Frage: Was heisst es, bis zum Äussersten zu gehen? Für wen oder was? Wozu wäre ich bereit?

Herkunft

In Gen 10 ist eine der zahlreichen Abstammungsreihen aufgeführt. Manchmal wüsste ich gerne, wer meine Vorfahren waren. Die erzählte Vergangenheit reicht gerade mal 2 Generationen in meiner Familie zurück. Zeit für Ahnenforschung?

Verantwortung übernehmen

Genesis 3
[11] Darauf fragte er: Wer hat dir gesagt, dass du nackt bist? Hast du von dem Baum gegessen, von dem ich dir geboten habe, davon nicht zu essen? [12] Der Mensch antwortete: Die Frau, die du mir beigesellt hast, sie hat mir von dem Baum gegeben. So habe ich gegessen. [13] Gott, der HERR, sprach zu der Frau: Was hast du getan? Die Frau antwortete: Die Schlange hat mich verführt. So habe ich gegessen.

Gott stellt Adam zur Rede, nachdem dieser von der verbotenen Frucht gegessen hat. Adam schiebt die Verantwortung auf Eva, Eva auf die Schlange. Typisch, denke ich, keiner will es gewesen sein und ertappe mich dabei, dass ich oft genug gleich mache. Warum fällt es so schwer Verantwortung für Fehler zu übernehmen? «Bin ich der Hüter meines Bruders?», wird kurz darauf Kain sagen (Gen 4,9).

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