Nicht zu Herzen nehmen?

Gleich kurz hintereinander wird einem Menschen der Rat gegeben, sich die Sache nicht so zu Herzen nehmen. ( 2 Sam 13, 20 und 33) Einmal geht es um die Vergewaltigung Tamars, das andere Mal um Mord an Davids Sohn Amnon. Tamar ist am Boden zerstört. Ihr Bruder meint, sie solle es sich nicht so zu Herzen nehmen.

David stürzt in tiefe Trauer, auch weil ihn zuerst die Nachricht erreicht alle seine Söhne seien tot. Sein Neffe gibt ihm den Rat, es sich nicht so zu Herzen zu nehmen, da alle anderen Söhne noch leben. Fast zynisch in solchen Fällen diesen Rat zu geben. Relativierung von Leid. Die Stellen lassen mich aufmerksam werden, nicht gleich zu argumentieren und zu trösten. Jedes Leid wiegt für die Betroffenen schwer. Der Einzelne kann es sich gar nicht nicht zu Herzen nehmen.

Doch den Satz: „Nimm’s nicht so schwer!“, erklang oft aus der Elterngeneration, vielleicht auch aufgrund der Kriegserfahrungen. Heute ist es zum Glück (meistens) anders.

Aufmerksam bleiben und „billigen“ Trost vermeiden.

Äusserlichkeiten

Der Mensch sieht, was vor Augen ist, der Herr aber sieht das Herz. (1Sam 16,7)

Saint-Exupery machte daraus im kleinen Prinzen: „Man sieht nur mit dem Herzen gute, das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar.“ Während Samuel in der Geschichte noch Gottes Hilfe braucht, um den richtigen Sohn Isais zu finden und ihn zu salben, geht die Eigenschaft im kleinen Prinzen auf den Menschen über. Als Gottes Ebenbild…

Mich nicht von Äusserlichkeiten leiten zu lassen, ist immer wieder eine Herausforderung.

Finde deinen Weg

Saul zog David seine Rüstung an. David versuchte zu gehen, aber er war es nicht gewohnt. Dann sagte er zu Saul: «Ich kann in den Sachen nicht gehen, ich bin nicht darum gewohnt. Und er legte sie wieder ab.»

Für mich ist das eine Schlüsselstelle in der Geschichte vom Kampf Davids gegen Goliat. Der junge David ist auf seine Art stark. Die Rüstung Sauls behindert ihn nur, deshalb wählt er seine eignen Kampfwerkzeuge.

So kriegerisch die ganze Szene auch ist, sie stellt gängige Männerbilder in Frage. David findet seinen eigenen Weg, der zu ihm passt. Das ist ein langer Prozess, auch für mich.

Euphorisch

Heute habe ich den letzten Wegabschnitt in Angriff genommen. Obeohl das das Ende einer langen Reise einläutet, bin ich euphorisch aufgebrochen. Alles kam mir leicht vor. Was ist da passiert?

Hinhören

Es ist eine meiner Lieblingsgeschichten, die Offenbarung an Samuel (1Sam 3, 1-18).

„Da merkte Eli, dass der HERR den Knaben gerufen hatte.“ (1Sam 3,8).

Als Theologe gefällt mir der Satz besonders. Warum? Weil der vermeintliche „Profi“ Eli erst beim dritten Mal versteht, was vor sich geht: Gott offenbart sich dem jungen Samuel. Das heisst für mich, immer wieder offen zu sein für dem Anruf Gottes, bei mir selbst und bei anderen Menschen. Gott spricht auf seine Weise und nicht auf der, die wir zu kennen meinen. Es heisst auch junge Menschen ernst zu nehmen in ihrer Rede von Gott. Hinhören, was sie zu sagen haben.

Und als zweites schwingen für mich in dieser Berufungsgeschichte die Frage mit: Wie geschieht Berufung heute?

Die Distanzen schwinden

4 Wochen auf dem Jakobsweg und eine weitere Erkenntnis: Distanzen spielen keine Rolle mehr. Habe ich am Beginn noch auf jeden Kilometer geschielt, der zu laufen war, nehme ich nun den Weg in Angriff, ohne mir darüber Gedanken zu machen. Mittlerweile weiss ich, dass die Kilometer keine Grenze mehr darstellen. Die geplanten Distanzen sind machbar, ich komme an, Verpflegungsmöglichkeiten sind vorhanden, also gelassen werden bzw. bleiben.

Sich nicht wiederfinden

Die permante Auseinandersetzung mit Gott, das Übertreten seiner Gebote, das Missachten seiner Vorschriften, das Murren, das Abwenden von ihm, all das zieht sich durch die ersten Bücher der Bibel. Und trotzdem Gott wendet sich seinem Volk immer wieder zu, nachdem dieses umkehrt. Das ist ein positiver Gedanke.

Wo ich mich aber nicht wiederfinde in den ersten Büchern, ist in dem Zusammenhang, dass jede Tat eine Konsequenz hat, dass Gott straft, wer seine Gebote verletzt. Ganz besonders auffällig im Buch der Richter: „Die Israeliten taten, was dem Herrn missfiel.“ (Ri 2,11; 3,7; 3,12) Jedesmal enbrennt der „Zorn des Herrn“ und Israel gerät unter fremde Herrschaft. Das Ganze ist in der Erzählung formelhaft gestaltet. So erklären es die Bibelwissenschaftler. Es ist vielleicht auch der Zusammenhang von militärischem Erfolg und Religion der mich stört, wenn ich auf die aktuellen Konflikte schaue. Dieses Denken scheint nicht aus der Welt zu schaffen zu sein.

Kindheitserinnerungen

Drei Wochen unterwegs. Seit einigen Tagen kommen Bilder aus der Kindheit vor allem Fernsehbild. Bilder von Fersehshows (nein, nicht „Wetten dass…?“), Bilder des RAF-Terrors, Bilder vom Putschversuch in Spanien, von der Fussball-WM 1978….

Geht die Reise weiter?

Unbestechlich

„Er lässt kein Ansehen gelten und nimmt keine Bestechung an.“ (Dtn 10,16)

Schlechte Nachrichten für die, die meinen mit Geld alles kaufen zu können, und meine grosse Hoffnung, dass allen Gerechtigkeit zuteil wird.

Gott suchen und finden

„Und von dort aus werdet ihr den Herrn, deinen Gott, suchen, und du wirst ihn finden, wenn du von ganzem Herzen und von ganzer Seele nach ihm fragst. Wenn du in Not bist und dich all dies trifft in ferner Zukunft, dann wirst du zurückkehren zum Herrn, deinem Gott, und auf seine Stimme hören, denn der Herr, dein Gott, ist ein barmherziger Gott: Er wird dich nicht verlassen und nicht verderben, und er wird den Bund mit deinen Vorfahren nicht vergessen, den er ihnen geschworen hat.“ (Dtn 4,29-31)

Dem Gott Suchenden ist Erfolg verheissen.

Unterwegs sagten zwei Pilger, dass der Camino del Norte zwar der landschaftlich schönere Weg sei, man aber den Spirit des Jakobsweges auf dem Camino Frances erlebt. Ich habe mich gefragt, was diesen Spirit ausmacht. Sind es die kulturhistorischen Orte? Sind es die zahlreicheren mitpilgernden Menschen? Das entscheidet am Ende jeder selbst. Wenn es um die Frage, geht wo Gott zu finden, ist es überall zu finden. Ich suche ihn eher in der Weite der Landschaft.

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