Eine Woche auf dem Jakobsweg

Was macht der Weg mit einem? Nach drei Tage fällt das Anlaufen nicht mehr schwer, nach fünf Tagen läuft es sich fast von allein.

Was man lernen kann? Gelassenheit, Probleme zu lösen, wenn sie wirklich da sind. Mit den heutigen Medien ist man allzu schnell versucht, Probleme zu finden, die noch nicht da sind. Das geht mir immer noch so: Da schaue ich in die Wetter-App und sehe Hitzetage. Schon beginne ich nach Alternativen zu suchen und am Ende ist die Lösung einfach: früher aufstehen und vor Sonnenaufgang aufbrechen. Oder ich sehe in Google-Maps keine Einkaufsmöglichkeiten und doch existieren sie. Es gäbe noch weitere Beispiele. Der Weg lehrt mich jeden Tag aufs Neue, gelassener zu werden und die Dinge anzunehmen, wie sie sind.

Bequem hier!?

Exodus 16
[3] Die Israeliten sagten zu ihnen: Wären wir doch im Land Ägypten durch die Hand des HERRN gestorben, als wir an den Fleischtöpfen saßen und Brot genug zu essen hatten. Ihr habt uns nur deshalb in diese Wüste geführt, um alle, die hier versammelt sind, an Hunger sterben zu lassen.

Die Israeliten murren gegen Mose und Aaron. Sie sehnen sich nach den Fleischtöpfen Ägyptens zurück. Die Szene ist sprichwörtlich geworden, und dennoch stellt sich die Frage, ob und wenn ja wie lange eine Durststrecke persönlich sein darf, um in Neuland aufzubrechen. Wann muss man sich auch eingestehen gescheitert zu sein?

Anfangen

  1. Mose 1
    [31] Gott sah alles an, was er gemacht hatte:
    Es war sehr gut.

Gestern bin ich quer durch Frankreich nach Moissac gereist, um auf dem Jakobsweg weiterzulaufen. Beim Abendessen vor der Klosterkirche beschlich mich so ein komisches Gefühl: Ich konnte mir noch gar nicht vorstellen, dass es heute losgeht. Ich war noch gar nicht angekommen. Das Gefühl ist eine Mischung aus Aufregung und Spannung gewesen. Es war nicht unbekannt. Vor Neuanfängen oder grösseren Herausforderungen habe ich auch. Am Abend habe ich dann in der Bibel den Anfang der Schöpfung gelesen (Gen 1,1-2,4a) und blieb am Satz hängen „Gott sah alles an, was er gemacht hatte: Es war sehr gut.“ Genau, habe ich da gedacht, alles ist sehr gut. Alles ist sehr gut, was soll also schief gehen? Wie zum Beweis sah es heute kurz so aus, dass es keinen Platz in der Unterkunft trotz Reservation hätte, aber mein Gastgeber hat schnell improvisiert. Alles ist sehr gut.

Sich in der Bibel wiederfinden

Am 1. August beginnt meine spirituelle Reise auf dem Jakobsweg. Meine Begleiterin: Die Bibel. Von ihr werde ich mich herausfordern lassen, genauer gesagt von ihren Texten. Dabei praktiziere ich keine bestimmte Methode. Es geht es mir auch nicht um exakte theologische Auslegung, sondern um die Fragen, die der Text in dieser Situation, nämlich auf dem Weg-sein, an mich stellt. Vielleicht sind meine Fragen auch deine Fragen. Wenn nicht, dann ist der Textabschnitt den ich gelesen habe, es wert, dass du ihn liest und er deine Fragen an dich stellt.

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