Sich nicht wiederfinden

Die permante Auseinandersetzung mit Gott, das Übertreten seiner Gebote, das Missachten seiner Vorschriften, das Murren, das Abwenden von ihm, all das zieht sich durch die ersten Bücher der Bibel. Und trotzdem Gott wendet sich seinem Volk immer wieder zu, nachdem dieses umkehrt. Das ist ein positiver Gedanke.

Wo ich mich aber nicht wiederfinde in den ersten Büchern, ist in dem Zusammenhang, dass jede Tat eine Konsequenz hat, dass Gott straft, wer seine Gebote verletzt. Ganz besonders auffällig im Buch der Richter: „Die Israeliten taten, was dem Herrn missfiel.“ (Ri 2,11; 3,7; 3,12) Jedesmal enbrennt der „Zorn des Herrn“ und Israel gerät unter fremde Herrschaft. Das Ganze ist in der Erzählung formelhaft gestaltet. So erklären es die Bibelwissenschaftler. Es ist vielleicht auch der Zusammenhang von militärischem Erfolg und Religion der mich stört, wenn ich auf die aktuellen Konflikte schaue. Dieses Denken scheint nicht aus der Welt zu schaffen zu sein.

Unbestechlich

„Er lässt kein Ansehen gelten und nimmt keine Bestechung an.“ (Dtn 10,16)

Schlechte Nachrichten für die, die meinen mit Geld alles kaufen zu können, und meine grosse Hoffnung, dass allen Gerechtigkeit zuteil wird.

Gott suchen und finden

„Und von dort aus werdet ihr den Herrn, deinen Gott, suchen, und du wirst ihn finden, wenn du von ganzem Herzen und von ganzer Seele nach ihm fragst. Wenn du in Not bist und dich all dies trifft in ferner Zukunft, dann wirst du zurückkehren zum Herrn, deinem Gott, und auf seine Stimme hören, denn der Herr, dein Gott, ist ein barmherziger Gott: Er wird dich nicht verlassen und nicht verderben, und er wird den Bund mit deinen Vorfahren nicht vergessen, den er ihnen geschworen hat.“ (Dtn 4,29-31)

Dem Gott Suchenden ist Erfolg verheissen.

Unterwegs sagten zwei Pilger, dass der Camino del Norte zwar der landschaftlich schönere Weg sei, man aber den Spirit des Jakobsweges auf dem Camino Frances erlebt. Ich habe mich gefragt, was diesen Spirit ausmacht. Sind es die kulturhistorischen Orte? Sind es die zahlreicheren mitpilgernden Menschen? Das entscheidet am Ende jeder selbst. Wenn es um die Frage, geht wo Gott zu finden, ist es überall zu finden. Ich suche ihn eher in der Weite der Landschaft.

Zurechtweisen

„In deinem Herzen soll es keinen Platz für Hass geben: Hasse deinen Bruder und deine Schwester nicht! Stattdessen sollst du mit deinem Nächsten reden und ihn auf sein Verhalten ansprechen. So wirst du dich seinetwegen nicht mit Sünde belasten. Du sollst dich nicht rächen und deinen Brüdern und Schwestern nichts nachtragen. Stattdessen sollst du deinen Mitmenschen lieben wie dich selbst. Ich bin der Herr.“ ( Lev 19,17-18)

Dieser Textabschnitt hat mich lange beschäftigt. Nicht wegen des Gebot der Nächstenliebe, das hier schon auftaucht und von dem ich immer finde, dass der zweite Teil „wie dich selbst“ ebenso wichtig ist wie der erste, sondern wegen der Passage, den Nächsten auf sein (Fehl-)Verhalten anzusprechen. Wenn man den theologischen Erläuterungen folgt, dann geht kann ein Gerechter den Nächsten zurechtweisen, also jemand der nach alttestamentlichen Verständnis, die Tora befolgt. Doch weiss die Bibel an anderen Stellen gut, dass das nicht immer Erfolg hat. Steht es mir also zu, jemanden zurechtzuweisen?

Heilig sein!?

„Führt ein heiliges Leben und seid heilig!“ (Leviticus 20,7)

Auch wenn wir schon Geheiligte sind: Wie führe ich als Christ ein heiliges Leben? Für das Alte Testament lebte heilig, wer die Gebote und Vorschriften befolgte.

Wie lebe ich als Christ? Wodurch zeichnet sich christliches Leben aus?

Gesegnet sein

Der Herr segne dich und behüte dich. Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über dich und sei dir gnädig. Der Herr erhebe sein Angesicht zu dir und gebe dir Frieden. (Num 6,24-26)

Für mich in seiner Einfachheit der noch immer schönste Segen. Nach diesem Zuspruch fühle ich mich immer gesegnet und innerlich ruhig.

Reguliertes Leben

Nach dem Auszug aus Ägypten werden in den biblischen Büchern Exodus, Leviticus und Numeri zahlreiche Vorschriften überliefert, nicht nur die Zehn Gebote. Schnell kommen die Gedanken, wie mühsam das zu lesen ist, aber auch wie mühsam es ist, diese Vorschriften alle zu beachten und allzu schnell wähne ich mich in völliger Freiheit. Aber das ist bei ein wenig Nachdenken, eine völlig irrige Annahme. Mein Leben ist reguliert, von vielen, ständig, jeden Tag. Vieles davon ist mir nicht bewusst. Ganz sicher sind die Vorschriften, die tagtäglich auf mich einwirken, genauso mühsam zu lesen. Und beim Lesen würde mir der gleiche Gedanken kommen, wie schwierig es wäre sie zu beachten. In welcher Gesellschaft und Gemeinschaft bin ich aufgewachsen und was macht mich tatsächlich frei?

Bequem hier!?

Exodus 16
[3] Die Israeliten sagten zu ihnen: Wären wir doch im Land Ägypten durch die Hand des HERRN gestorben, als wir an den Fleischtöpfen saßen und Brot genug zu essen hatten. Ihr habt uns nur deshalb in diese Wüste geführt, um alle, die hier versammelt sind, an Hunger sterben zu lassen.

Die Israeliten murren gegen Mose und Aaron. Sie sehnen sich nach den Fleischtöpfen Ägyptens zurück. Die Szene ist sprichwörtlich geworden, und dennoch stellt sich die Frage, ob und wenn ja wie lange eine Durststrecke persönlich sein darf, um in Neuland aufzubrechen. Wann muss man sich auch eingestehen gescheitert zu sein?

Ich bin da

Exodus 3
[14] Da antwortete Gott dem Mose: Ich bin, der ich bin.

Gott offenbart Mose seinen Namen. Wenn es die 10 wichtigsten Bibelstellen gäbe, gehörte diese für mich dazu. Gott ist einer, der da ist, nicht entrückt irgendwo in einem Himmel. Ein schönes Gefühl, dass immer einer da ist. Als Kind habe ich es auch immer schön gefunden, dass jemand zu Hause war, wenn ich kam.

Geschickt

Josef offenbart sich seinen Brüder, als diese in der Hungersnot nach Ägypten ziehen, um Getreide zu kaufen (Gen 45). Josef verzeiht seinen Brüdern, ihn damals verkauft zu haben (Gen 37,28). Er interpretiert sein Schicksal als Tat Gottes, der ihn so nach Ägypten geschickt hat.
Wie sehe ich mein Leben? Und wohin schickt Gott mich?
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